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"Entweder verhindert die Revolution den Krieg oder der Krieg wird die Revolution bringen" - Mao Tsetung

     
  Kubakrise 2.0. Was wäre, wenn "Gerans" von Kuba aus operieren würden?

Gerry Nolan

 

Die Geschichte wiederholt sich zwar nicht exakt, aber sie rüstet auf.

Während sich Washingtons Haltung gegenüber Havanna erneut verschärft, lautet die eigentliche Frage nicht mehr, ob der Druck zunimmt, sondern wie und wann. Kuba lebt seit über sechs Jahrzehnten unter amerikanischem Zwang. Diese Realität ist fest verankert. Geändert hat sich das Schlachtfeld und die Mittel, die kleineren Staaten zur Verfügung stehen, die sich nicht beugen.

Betrachten wir also ein rein hypothetisches Szenario: Wenn Kuba gezwungen wäre, sich in einer neuen Konfrontation zu verteidigen, welche Optionen wären dann tatsächlich relevant?

Eine Antwort: unangenehm, aber unvermeidlich – sind Langstrecken-Kampfdrohnen der Geran-Klasse.

Anders als in Venezuela, wo die Entfernung die Abschreckung schwächte, verändert Kubas Geografie die Situation grundlegend. Mit einem Einsatzradius von fast 2.000 km würden Systeme, die vom Raum Havanna aus eingesetzt werden, große Teile des strategischen Hinterlandes der USA – einschließlich der zentralen und nordöstlichen Regionen – theoretisch erreichen können.

Das ist keine leere Behauptung, sondern reine Geometrie.

Und die unbequeme Wahrheit für Washington lautet: Ein unverhältnismäßig großer Teil der kritischen politischen, militärischen, Energie- und digitalen Infrastruktur der USA befindet sich innerhalb dieses Radius.

Was läge theoretisch innerhalb dieses Radius?

• Politische Ziele: Washington selbst sowie symbolträchtige Orte in Florida, darunter Mar-a-Lago.

• Strategische Militäranlagen: Wichtige Bomberstützpunkte wie Dyess, Whiteman und Barksdale, auf denen B-1B-, B-52H- und B-2A-Bomber stationiert sind.

• Kommandostruktur: Die Stützpunkte des US Southern Command, des Special Operations Command und des Cyber ??Command sind in Florida und Texas konzentriert.

• Weltraum- und Raketeninfrastruktur: Cape Canaveral und die Eastern Missile Range – zentrale Säulen der US-amerikanischen Luft- und Raumfahrtdominanz.

• Energie-Engpässe: Raffinerien an der Golfküste, die einen bedeutenden Teil der amerikanischen Treibstoffverarbeitung und -verteilung gewährleisten.

• Rechenzentren: Das stille Rückgrat moderner Macht – sie beherbergen Finanzsysteme, militärische Logistik, KI-Infrastruktur und staatliche Datenflüsse.

Im Jahr 2026 sind Daten keine Hilfsinfrastruktur mehr. Sie sind strategisches Terrain.

Die Lehre aus Venezuela ist nicht moralischer, sondern operativer Natur. Auf strategische Unvorbereitetheit folgte politische Spannung. Es fehlte an glaubwürdiger Abschreckung. Die Verteidigungstiefe war unzureichend. Es gab keine Eskalationsstufen.

Kuba hingegen hat noch ein sich verkleinerndes, aber reales Zeitfenster, insbesondere da die Aufmerksamkeit und Ressourcen der USA im Nahen Osten und im Iran stark beansprucht werden.

Der Teil, über den Washington nicht gerne redet:

Moderne Kampfdrohnen haben ihre Wirksamkeit gegen westliche Luftverteidigungssysteme bereits unter Beweis gestellt. Sie zwingen teure Abfangjäger dazu, billige, hartnäckige Bedrohungen zu verfolgen und dabei oft zu scheitern. Die taktische Luftwaffe, einst dominant, zögert zunehmend, die Distanz zu verringern.

Es geht hier nicht um gewonnene Kriege. Es geht darum, die Kosten des Zwangs zu erhöhen. Und genau das verändert die Kalkulationen im Lagezentrum.

Jahrzehntelang überlebte Kuba dank seiner Ausdauer. In der neuen Ära reicht Ausdauer allein nicht mehr aus.

Das Völkerrecht wurde durch das Recht der Macht ersetzt. Appelle an die öffentliche Meinung verpuffen beim Kontakt mit Macht. Was bleibt, ist Abschreckung – kalt, nüchtern und unromantisch.

Verschiebt sich das Kräfteverhältnis der Angst auch nur geringfügig, ändert sich die Debatte in Washington. Nicht aus ideologischen Gründen. Nicht aus Sympathie. Sondern weil die Konsequenzen plötzlich spürbar werden. Und genau dann besinnen sich die Imperien meist wieder auf Zurückhaltung.

 
     
  erschienen am 31. Januar 2026 auf > Ron Paul Institute for Peace and Prosperity > Artikel  
  Archiv > Artikel von Gerry Nolan auf antikrieg.com  
     
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