HOME   INHALT   BLOG   INFO   LINKS   VIDEOS   ARCHIV   KONTAKT   ENGLISH
 
     

"Entweder verhindert die Revolution den Krieg oder der Krieg wird die Revolution bringen" - Mao Tsetung

     
  Die deutsche Führung will´s nicht fassen: der kleinen Großmacht / großen Kleinmacht - fehlt´s an Wesen für das Genesen der Welt. Zwei Schiffchen sind nicht viel - steht ein neuer Untergang ins Haus? Oder wieder einmal der Endsieg?  
     
 

Auf Umwegen in den Krieg

Bei einer weiteren Eskalation des Irankriegs durch die USA drohen die jemenitischen Huthi per Beschuss das Rote Meer zu sperren. Dort liegen aktuell zwei deutsche Kriegsschiffe. Sie könnten dadurch in den Krieg verwickelt werden.

German Foreign Policy

 

TEHERAN/WASHINGTON/BERLIN (Eigener Bericht) – Deutsche Kriegsschiffe in Djibouti an der Einfahrt zum Roten Meer (Bab al Mandab) drohen in eine mögliche neue Eskalation des Irankriegs zu geraten. Iran hat auf die jüngsten Drohungen von US-Präsident Donald Trump, zivile Infrastruktur des Landes zu zerstören – so etwa Energieanlagen –, mit der Ankündigung reagiert, dann Energieanlagen in anderen Staaten der Golfregion zu attackieren. Zudem hat es die Huthi im Jemen gebeten, in diesem Fall das Rote Meer per Beschuss genauso für die Schifffahrt zu sperren wie die Straße von Hormuz. Dies hatten die Huthi bereits in der Vergangenheit annähernd getan. In Djibouti und damit am Roten Meer liegen zur Zeit das Minenjagdboot Fulda und der Tender Mosel, die sich dort für einen etwaigen Marineeinsatz zur Minenräumung in der Straße von Hormuz bereithalten. Greifen die Huthi wirklich erneut Handelsschiffe an, dann halten Schifffahrtskreise es für denkbar, dass die in Djibouti liegenden europäischen Kriegsschiffe sich in die EU-Operation EUNAVFOR Aspides integrieren, um die Huthi-Attacken zu stoppen. Die US-Drohungen resultieren dabei daraus, dass Trumps jüngste Kriegseskalation Washington erhebliche Nachteile einbrockt.

 

Neue Angriffswellen

 

Hintergrund der jüngsten Eskalation des Irankriegs ist der Streit um die Kontrolle über die Straße von Hormuz. In der „Absichtserklärung von Islamabad“, die am 12. Juni fertiggestellt und wenige Tage später unterzeichnet wurde, heißt es dazu, Iran werde „die sichere Durchfahrt von Handelsschiffen … gewährleisten“ – für 60 Tage „ohne Gebühren“; im Blick auf die Zeit danach solle Iran einen „Dialog“ mit Oman führen, einem Anrainer der Südküste der Straße von Hormuz.[1] US-Präsident Donald Trump hat die Absichtserklärung zwar unterzeichnet, ist aber offenkundig nicht gewillt, sich an die Bestimmungen zu halten, und hat immer wieder Handelsschiffe von US-Kriegsschiffen durch die Meerenge geleiten lassen oder sie angestachelt, sie eigenständig ohne iranische Genehmigung zu passieren. Iran hat mehrfach mit dem Beschuss dieser Schiffe reagiert, genau so, wie die US-Streitkräfte Schiffe beschießen, die trotz der nun wieder von den USA verhängten Blockade in iranische Häfen einfahren wollen. Trump nimmt den Beschuss jeweils zum Anlass, neue Angriffswellen auf Iran zu befehlen, woraufhin Teheran Gegenangriffe auf US-Militärbasen am Persischen Golf und in Jordanien durchführt. Inzwischen haben beide Seiten erklärt, die Absichtserklärung von Islamabad sei aus ihrer Sicht nicht mehr in Kraft.

 

Krieg unpopulär, Raketenbestände geleert

 

Für die Trump-Administration ist die Fortsetzung des Krieges durchaus riskant. Nur 27 Prozent aller US-Amerikaner sind der Auffassung, es sei die richtige Entscheidung gewesen, Iran anzugreifen; eine klare Mehrheit von ihnen gehört zum harten Kern der MAGA-Strömung.[2] Dies ist für die Zwischenwahlen, die in weniger als vier Monaten durchgeführt werden, ebenso relevant wie die Tatsache, dass der Preis für Benzin und Diesel in den USA erneut steigt. Mittlerweile gehen 79 Prozent der US-Amerikaner davon aus, der Krieg werde noch längere Zeit andauern; das ist genau das Gegenteil dessen, was Trump noch im Wahlkampf versprochen hatte.[3] Warnungen kommen außerdem von Militärexperten, die darauf hinweisen, dass die Bestände an Angriffs- wie an Abwehrraketen bereits in den ersten 40 Tagen des Krieges um ein Drittel bis die Hälfte dezimiert wurden.[4] Werde der Krieg so weitergeführt wie in den vergangenen Tagen, dann werde dies die Bestände so stark leeren, dass hinsichtlich der Konflikte nicht nur mit China, sondern auch mit Nordkorea „ein neues, höheres Risikoniveau“ erreicht werde, warnte am Sonntag der Ex-Oberst des Marine Corps und heutige Experte des Washingtoner Center for Strategic and International Studies (CSIS) Mark Cancian.[5] Seitdem hat Washington seine Angriffe sogar noch verstärkt.

 

Drohung mit Kriegsverbrechen

 

Offenkundig unter Druck, Fortschritte zu erzielen, weitet Trump erneut seine Drohungen gegen Iran aus. Schon am Dienstag kündigte er an, bald auch zivile Infrastruktur zerstören zu lassen, insbesondere Brücken sowie „alle Kraftwerke“ des Landes.[6] Die gezielte Zerstörung ziviler Infrastruktur ist ein Kriegsverbrechen. Irans Regierung hat am gestrigen Donnerstag erklärt, sie werde, falls die USA Trumps Drohung wahr machten, Vergeltung üben, indem sie Infrastruktur anderer Staaten in der Region angreife.[7] Zudem hat Teheran Berichten zufolge die jemenitischen Huthi um Unterstützung gebeten.

 

Eskalation im Jemen

 

Im Jemen ist in den vergangenen Tagen der Konflikt zwischen den Huthi und Saudi-Arabien, der seit 2022 zumindest halbwegs beigelegt war, wieder eskaliert. Dabei ging es zunächst um den Flughafen der Hauptstadt Sanaa. Dieser war im Jemen-Krieg zerstört worden; seit 2022 konnte er punktuell wieder genutzt werden, wenngleich mit erheblichen Einschränkungen, da Saudi-Arabien nur sehr wenige Flüge zuließ.[8] Nachdem der Flughafen im Mai 2025 durch israelische Luftangriffe erneut zerstört worden war, lag er wieder brach. Anfang Juli kam nun mit der Landung eines iranischen Zivilflugzeugs die Wende – für wenige Tage jedenfalls; dann griffen, als ein anderes iranisches Zivilflugzeug im Anflug war, mutmaßlich saudische Bomber den Flughafen an und zerstörten die Landebahn ein weiteres Mal. Das Zivilflugzeug musste auf den Flughafen der jemenitischen Hafenstadt Al Hudaydah ausweichen.[9] Die Huthi reagierten, indem sie den Flughafen der im Südwesten Saudi-Arabiens gelegenen Stadt Abha beschossen.[10] Die Spannungen sind weiterhin hoch. Mittlerweile drohen die Huthi, falls die saudischen Streitkräfte erneut Ziele im Jemen bombardierten, würden sie ihrerseits saudische Energieanlagen attackieren.[11] Dies hatten sie bereits 2019 und 2022 getan.

 

Sperrung des Roten Meeres

 

Iran dringt nun, wie berichtet wird, darauf, dass die Huthi, falls die Vereinigten Staaten tatsächlich die iranische Energieinfrastruktur angreifen, per Beschuss das Rote Meer und vor allem die Meerenge Bab al Mandab („Tor der Tränen“) faktisch für die Handelsschifffahrt sperren.[12] Laut den Berichten sind die Huthi inzwischen darauf vorbereitet; sie könnten jederzeit beginnen. Dies schadete auch Saudi-Arabien immens; Riad leitet aktuell erhebliche Mengen Erdöl per Pipeline zu einem Verladehafen am Roten Meer und verschifft es, solange die Straße von Hormuz nicht sicher passiert werden kann, von dort auf den Weltmarkt. Bei einer faktischen Sperrung des Bab al Mandab würde diese Option nicht mehr funktionieren. Vor allem aber würde die europäische Wirtschaft gravierenden Schaden nehmen, da der Seehandel mit Europa dann bloß noch über den langen Umweg an Südafrika vorbei möglich wäre. Die Kosten wären immens.

 

In Djibouti vor Anker

 

Um genau dies zu verhindern, operieren seit Anfang 2024 – damals beschossen die Huthi erstmals Handelsschiffe im Roten Meer, um ihre Unterstützung für die Palästinenser in Gaza zu demonstrieren – Kriegsschiffe aus EU-Staaten im Rahmen des Einsatzes EUNAVFOR Aspides in der Region. Zur Zeit gilt das nicht für Kriegsschiffe der Deutschen Marine. Doch haben Ende Juni das Minenjagdboot Fulda und – als Versorgungsschiff – der Tender Mosel in Djibouti angelegt, um sich für einen etwaigen Marineeinsatz zur Minenräumung in der Straße von Hormuz bereitzuhalten.[13] Dieser Einsatz wird mutmaßlich nicht zustande kommen (german-foreign-policy.com berichtete [14]). Doch halten sich die beiden Kriegsschiffe genau dort auf, wo im Fall einer weiteren Eskalation mit Angriffen der Huthi auf Handelsschiffe gerechnet werden muss. In Schifffahrtskreisen wird bereits spekuliert, die in Dijbouti liegenden Kriegsschiffe aus Europa – zu den beiden deutschen kommen noch diverse weitere hinzu – könnten dann aktiv gegen die Huthi eingreifen, um deren Attacken abzuwehren.[15] Käme es dazu, dann würde die Bundeswehr auf Umwegen doch noch in den Irankrieg verwickelt – mit fatalen Folgen.

 

[1] A Look at the Text of the Agreement Between the United States and Iran. nytimes.com 17.06.2026. S. dazu Europa vor der Niederlage am Golf.

[2] MAGA Republicans still support the Iran war but most other Americans say it was the wrong decision. yougov.com 14.07.2026.

[3] Sarah Davis: 4 in 5 expect extended war with Iran: Survey. thehill.com 14.07.2026.

[4] S. dazu Europa vor der Niederlage am Golf.

[5] Davis Winkie: Iran war heats up while US weapon stocks remain depleted, risking military’s ability to fight future wars. edition.cnn.com 12.07.2026.

[6] Trump threatens to bomb bridges and power plants unless Iran resumes talks. bbc.co.uk 14.07.2026.

[7] Rachel Chason, Suzan Haidamous, Mohamad El Chamaa: Iran threatens region’s infrastructure as U.S. strikes expand. washingtonpost.com 16.07.2026.

[8] Sanaa International Airport: From destruction and blockade to opening and enforcement by force. en.ypagency.net 07.07.2026.

[9] Beatrice Farhat: Yemen’s Houthis accuse Saudi Arabia of striking Sanaa airport: What to know. al-monitor.com 13.07.2026.

[10] Fatma Khaled: Yemen’s Houthis strike Saudi Arabia’s Abha airport with missiles and drones in a sharp escalation. apnews.com 14.07.2026.

[11] Khaled Abdullah: Houthi leader threatens Saudi oil facilities if Riyadh escalates in Yemen. al-monitor.com 16.07.2026.

[12] Sources: Iran orders Houthis to close Red Sea gateway if US hits its power network. timesofisrael.com 16.07.2026.

[13] Minenjagdboot Fulda und Tender Mosel passieren Suez-Kanal. bmvg.de 18.06.2026.

[14] S. dazu Die Zwischenbilanz des Irankriegs.

[15] European Naval Coalition for Hormuz Disappears Without a Trace. maritime-economies.eu 15.07.2026.

 
     
  erschienen am 17. Juli 2026 auf > GERMAN-FOREIGN-POLICY > Artikel  
  Archiv > Artikel von German-Foreign-Policy auf antikrieg.com  
  Herzlichen Dank den Kollegen von German-Foreign-Policy für die freundliche Überlassung des Artikels!  
     
   
     
Antikrieg - Dossiers:
Syrien Israel Jemen Libyen Korea Ukraine

WikiLeaks

     
Einige Lesetips aus dem Archiv:
  Paul Craig Roberts - Die gesamte westliche Welt lebt in kognitiver Dissonanz
  Andrew J. Bacevich - Die Kunst, das Gedächtnis zu formen
  Robert Barsocchini - Israels ‚Recht sich zu verteidigen’: Ein Aggressor kann nicht in Selbstverteidigung handeln
  Jean-Paul Pougala - Die Lügen hinter dem Krieg des Westens gegen Libyen
  Ben Norton - Bericht des britischen Parlaments führt aus, wie der NATO-Krieg 2011 gegen Libyen auf Lügen basierte
  Marjorie Cohn - Menschenrechtsgeheuchel: USA kritisieren Kuba
  John V. Walsh - Warum sind Russland und China (und der Iran) vorrangige Feinde der herrschenden Elite der Vereinigten Staaten von Amerika?
  John Horgan - Warum Töten Soldaten Spaß macht 
  Jonathan Turley - Das Große Geld hinter dem Krieg: der militärisch-industrielle Komplex
  Jonathan Cook - Die vorgetäuschte Welt der Konzernmedien
  Oded Na'aman - Die Kontrollstelle
  Klaus Madersbacher - Seuchen
  Klaus Madersbacher - Hässliche Bilder
  Mark Danner - US-Folter: Stimmen von dunklen Orten
  Paul Craig Roberts - Die Neuversklavung der Völker des Westens
  Stephen Kinzer - Amerikas Staatsstreich im Schneckentempo
  Im ARCHIV finden Sie immer interessante Artikel!  
  Die Weiterverbreitung der Texte auf dieser Website ist durchaus erwünscht. In diesem Fall bitte die Angabe der Webadresse www.antikrieg.com nicht zu vergessen!  
  <<< Inhalt