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| Kriegswache:
Der Sturmkegel Martin Sieff
Rudyard Kipling, Englands bedeutendster Dichter des Empire der später zum widerwilligen Propheten und Zeugen von dessen Katastrophe und bevorstehendem Zerfall wurde , veröffentlichte diese beängstigende Warnung im Jahr 1932. Dies geschah ein Jahr, nachdem Japan die Mandschurei besetzt hatte, ohne dass das mächtige Britische Weltreich, das Asien ein Jahrhundert lang beherrscht hatte, auch nur den kleinen Finger rührte, um dies zu verhindern. Kipling veröffentlichte dieses Gedicht nur ein Jahr, bevor Adolf Hitler deutscher Reichskanzler wurde mit all den Konsequenzen, die dies für England und die Welt nach sich zog. Heute stellen seine Gedichte erneut eine prophetische Warnung dar, während die Vereinigten Staaten von Amerika, Saudi-Arabien und die gesamte industrialisierte Welt unter dem jüngsten strategischen Geniestreich des Iran taumeln: der Unterbindung der Fähigkeit Saudi-Arabiens und der Golfstaaten, überhaupt noch nennenswerte Mengen Öl in die Welt zu exportieren. Die Vereinigten Staaten von Amerika und ihre lächerlichen europäischen Militärverbündeten im Format von Liliputanern womit ich natürlich Großbritannien, Frankreich, Deutschland und Polen meine haben sich endlos darüber echauffiert, wie sie Russland in den viereinhalb Jahren seit Beginn von Moskaus spezieller Militäroperation in der Ukraine strategisch isoliert hätten. Doch mit China und Indien und nun auch dem Iran als festen, loyalen Handels- und Strategiepartnern ist Russland keineswegs isoliert. Und das Land taumelt wirtschaftlich auch nicht, trotz viereinhalb Jahren entschlossenster Bemühungen seitens der USA, Großbritanniens und der NATO, es in den Zusammenbruch zu treiben allen gegenteiligen Fantasien der Wall Street und der City of London zum Trotz. Doch nun hat sich das Blatt gewendet. Die Vereinigten Staaten unter der Führung der strategisch unbedarften Trump-Regierung ereilt nun jenes ruinöse Schicksal, das Präsident Joe Biden und seine Gadarener Schweine mit völliger Unfähigkeit und ohne Erfolg gegen Russland heraufzubeschwören versuchten und das sein Nachfolger, Präsident Donald Trump, auf das verhängnisvolle Drängen und die Sirenenrufe seines so geliebten Helden, des israelischen Premierministers Benjamin Netanjahu, hin dem Iran zuzufügen gedachte. Denn es war Trump, der gemeinsam mit Israel seine Luftwaffenverbände gegen den Iran in Marsch setzte, um am 28. Februar das Oberhaupt des Iran, Ayatollah Ali Khamenei, zu töten. Vier Tage voller Schock, Einschüchterung und Schrecken würden genügen, um die gesamte Islamische Republik Iran aufzulösen so versicherte es Netanjahu dem US-Präsidenten persönlich und im Beisein zahlreicher Zeugen. Nun, das geschah nicht. Stattdessen ... sah Trump sich mit einem umfassenden Krieg konfrontiert, den er und sein Chefstratege jener moderne Napoleon, Verteidigungsminister Pete Hegseth nicht den Hauch einer Chance haben zu gewinnen. Am 17. September legte der pensionierte US-Marine-Colonel Andy Milburn bezeichnenderweise über Jahre hinweg ein Super-Hardliner in der Frage der Konfrontation mit Russland über die Ukraine, im Nahen Osten jedoch ein aufrichtiger und realistischer Mann, der bereit ist, der Realität ins Auge zu blicken, wenn sie ihn (und die Welt) in den Hintern beißt die jüngsten Entwicklungen und deren Konsequenzen anhand einer einzigen, eindrucksvollen Karte dar. Am 16. September nahmen Huthi-Kräfte Mocha ein, wenige Tage später die Insel Perim; damit kontrollierten sie das Ostufer des Bab al-Mandab. Am 11. legten Drohnen aus dem Irak die Ost-West-Pipeline lahm die letzte Umgehungsroute um die Straße von Hormus, schrieb er. Dies bedeutet wie Milburn eindringlich verdeutlichte , dass der Iran seit März erfolgreich sämtliche Ölexporte durch die Straße von Hormus unterbunden hat; jene Pforte, die den Persischen (oder Arabischen) Golf mit dem Indischen Ozean und der übrigen Welt verbindet. Innerhalb weniger Tage im September, so fuhr Milburn fort, haben Raketenangriffe und Drohungen der Huthi-Rebellen zudem den Öltransport durch Bab al-Mandab das strategische Nadelöhr am südlichen Ende des Roten Meeres drastisch reduziert: von regulär 4 Millionen Barrel pro Tag auf geradezu lächerliche 200.000 Barrel. Dies stellt einen massiven Einschnitt in den weltweiten Ölfluss und die globale Wirtschaft dar. Milburn wies zudem darauf hin, dass die Drohnenangriffe aus der irakischen Provinz Maysan nahe der iranischen Grenze die bedeutende Ost-West-Pipeline Saudi-Arabiens außer Betrieb gesetzt haben; damit fiel die bisherige Versorgung des Roten Meeres und des Westens mit 7 Millionen Barrel Öl pro Tag weg. Das ist der Grand Slam. Und es bedeutet, dass die Benzinpreise in den USA noch deutlich vor den Kongresszwischenwahlen im November durch die Decke gehen werden. Das führt so sicher wie das Amen in der Kirche zu einem Erdrutschsieg, der einer neuen Generation junger, wütender und hochmotivierter Antikriegs-Demokraten die Kontrolle über das Repräsentantenhaus und wahrscheinlich auch über den Senat sichern wird. Der 80-jährige Präsident Trump wird dabei zur gesetzgeberischen Handlungsunfähigkeit verdammt sein und sich immer heftigerer Kritik ausgesetzt sehen, während er versucht, per Dekret zu regieren. Auch die Make America Great Again-Anhänger werden dem Präsidenten nicht zu Hilfe eilen. Sie kehren ihm in Scharen den Rücken, seit er auf Netanjahus aberwitzige Lügen hereingefallen ist und seinen verhängnisvollen Krieg gegen den Iran vom Zaun gebrochen hat. In der Baseball-Sprache, die der Präsident stets so liebte, ist das ein unforced error ein vermeidbarer Fehler. Einer der größten aller Zeiten. Ein weiterer hochgeachteter Offizier der US-Marines im Ruhestand und ein erstklassiger Stratege, mein alter Freund Major Donald Vandergriff, legte die strategische Bedeutung dieses Vorgangs in einer am 17. September auf seinem Substack veröffentlichten Analyse dar. Die Besetzung der Insel Perim und der Zufahrten nach Mocha durch die Huthi ist ein Paradebeispiel für operative Kunst, wie sie von einem hybriden Akteur praktiziert wird. Es handelt sich weder um einen isolierten Überfall noch um eine bloße Gebietsaneignung, erklärte Vandergriff. Es ist ein wohlüberlegtes, monatelang vorbereitetes Manöver, das die Uneinigkeit des Gegners, die Informationsüberlegenheit und das Tempo nutzte, um einen entscheidenden Schwachpunkt den Nadelöhr-Engpass Bab al-Mandab unter Kontrolle zu bringen, während die USA und ihre Partner auf die umfassendere Auseinandersetzung mit dem Iran fixiert waren. Wie kam es dazu? Die Huthi haben keine neue Technologie erfunden. Sie haben bewährte Prinzipien diszipliniert angewandt, erläuterte Vandergriff. Mitte August konzentrierten sie Streitkräfte und Waffen in der Nähe von Mocha. Was können und werden die Saudis sowie die Trump-Regierung als Nächstes unternehmen? Wie Vandergriff hervorhob, sind die bisherigen Methoden, die auf kostengünstige und schnelle punktgenaue Luftangriffe setzten, bereits gescheitert. Tatsächlich waren sie von Anfang an eine Illusion. Jene naiven Träume der amerikanischen Bomber-Barone kosteten allein im Zweiten Weltkrieg über dem europäischen Luftraum mehr als 30.000 US-Flugzeugbesatzungsmitglieder das Leben. Das waren mehr Todesopfer, als das gesamte US Marine Corps in sämtlichen Schlachten des Pazifikkriegs zu beklagen hatte. Saudi-Arabien hat bereits einen kostspieligen Luftkrieg geführt, der die Huthi nicht vertreiben konnte, aber Vergeltungsschläge gegen die eigene Energieinfrastruktur nach sich zog, bestätigte Vandergriff. Die Entsendung massiver US-Streitkräfte in dem Versuch, dort Erfolg zu haben, wo US-Luftstreitkräfte und die Saudis bereits gescheitert sind, ist die nächste offensichtliche Option, die Trump, Hegseth und den Kommentatoren, die sie allabendlich auf Fox News beraten, offensteht. Und weil dieser Ansatz so simpel und offensichtlich ist, ist es so gut wie sicher, dass sie ihn tatsächlich verfolgen werden. Doch scheitern wird er dennoch. Vandergriff bringt es erneut auf den Punkt: Eine dritte Front zu eröffnen, während der Iran weiterhin das Hauptziel darstellt, ist ein klassischer Weg, den Fokus zu verlieren. Die Zersplitterung des Anti-Huthi-Lagers bestehend aus Separatisten aus dem Süden, Gruppen im Umfeld der Muslimbruderschaft und Überresten der ehemaligen Regierung stellt ein Problem des Zusammenhalts dar, das auch durch massiven US-Luftwaffeneinsatz nicht kaschiert werden kann. Bei ihren jüngsten Operationen haben die Huthi eine taktische Flexibilität und einen Einfallsreichtum bewiesen, mit denen sie die schwerfälligen und trägen OODA-Schleifen (Beobachten, Orientieren, Entscheiden, Handeln) in denen die behäbige US-Militärführung nach wie vor gefangen ist weit hinter sich gelassen haben. Wiederum unterstreicht Vandergriff einen entscheidenden Punkt: Die Huthi, so stellt er fest, bedrohten die Nachschublinien des Gegners und nutzten die Kontrolle über die jemenitische Telekommunikation, um Kommunikation abzufangen, Verwirrung zu stiften und Rivalen durch Einschüchterung zum Zusammenbruch zu treiben. Sie warteten den Bruch zwischen Saudi-Arabien und den VAE ab, der die Anti-Huthi-Koalition in mehrere Armeen mit konkurrierenden Befehlsstrukturen aufspaltete. Sie sind anpassungsfähig und fürchten die Vereinigten Staaten nicht. Genau diese Kombination aus operativen Methoden der Kriegsführung der dritten Generation (3GW) und der strategischen Resilienz der Kriegsführung der vierten Generation (4GW) macht sie so gefährlich. Wir haben dieses Muster bei dem scheinbar winzige, unbedeutende regionale Akteure den mächtigen amerikanischen Welt-Goliath besiegen schon allzu oft erlebt. Es war das Muster der Taliban, die in Afghanistan zwei Jahrzehnte lang abwarteten, bis die US-Streitkräfte abzogen. Und lange, lange zuvor war es das Muster von General Vo Nguyen Giap und seinen Vietcong-Truppen im Vietnamkrieg der 1960er Jahre. Giap machte Fehler, wie jeder Mensch. Doch er wiederholte sie nie. Er zog sich zurück, wartete den richtigen Moment ab, lernte aus seinen Erfahrungen und zog die entsprechenden Schlüsse. Dann trainierte er neue Taktiken für den nächsten Einsatz. Und am Ende siegte er zwangsläufig. Nun muss Präsident Trump lernen, nicht länger den verhängnisvollen und zu Recht verachteten Beispielen seiner Vorgänger nachzueifern: dem demokratischen Präsidenten Lyndon Johnson in Vietnam und dem republikanischen Präsidenten George W. Bush im Irak und in Afghanistan. Erstens muss Trump sich beruhigen. Einen Gang zurückschalten. Zweitens muss er Zurückhaltung üben. Drittens muss er seinen Konflikt mit dem Iran beilegen wenn möglich zu Teherans Bedingungen. Und sollte man dies nicht akzeptieren, so muss er Zurückhaltung und Geduld üben zwei Tugenden, die so gar nicht zu Trump und eigentlich überhaupt nicht zum amerikanischen Wesen passen , um die Lage unter Kontrolle zu halten. Er sollte sich ein Beispiel an jenem höchst unmodernen, aber entscheidenden römischen Helden nehmen: Fabius Cunctator, dem Zögerer. Dieser gewann den langen Krieg gegen den unbesiegbaren Hannibal aus Karthago, indem er sich weigerte, sich ihm in einer offenen Feldschlacht also im direkten Duell zu stellen. Viertens muss Trump dem endlosen Gekreisch von Netanjahu, den Neokonservativen, den Neoliberalen und all den anderen verweichlichten, hysterischen und moralisch empörten Sesselstrategen jenen Möchtegern-Moltkes und -Napoleons ein Ende setzen und sich strikt weigern, im Jemen eine dritte Front gegen die Huthi-Rebellen zu eröffnen. Nichts davon wird auf magische Weise das tiefe Loch füllen, in das Trump, Hegseth und ihre Anhänger die Vereinigten Staaten von Amerika bereits manövriert haben. Aber es ist zumindest ein erster Schritt, um das oberste Gebot für das Überleben und die Erholung all jener zu befolgen, die sich bereits in ein tiefes Loch gegraben haben: Hör auf zu graben. Oberflächlicher Optimismus und das Ignorieren der harten Realitäten werden die Lage nur noch unendlich viel schlimmer machen. Der prophetische englische Dichter Kipling erkannte dies bereits vor 94 Jahren in seinem Gedicht The Storm Cone:
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| erschienen am 21. September 2026 auf > Ron Paul Institute for Peace and Prosperity > Artikel, Original auf > The Realist Review | |||
| Archiv > Artikel von Martin Sieff auf antikrieg.com | |||
| Martin Sieff ist als Kolumnist für die Online-Zeitungen *Post-Examiner* in Los Angeles und Baltimore tätig. Er wurde dreimal für den Pulitzer-Preis im Bereich Auslandsberichterstattung nominiert. Sieff arbeitete bei United Press International unter anderem als leitender Redakteur für internationale Angelegenheiten, Chefanalyst für Nachrichten, Redakteur für die Rüstungsindustrie und leitender politischer Korrespondent. | |||
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