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"Entweder verhindert die Revolution den Krieg oder der Krieg wird die Revolution bringen" - Mao Tsetung

     
  Eine Welt, die auf den Kopf gestellt wurde

Alastair Crooke

 

Kurzfassung eines Vortrags an der Higher School of Economics, Moskau, 7. September 2026

Die globale Zukunft wird oft als eine multipolare oder multinodale Welt dargestellt, verbunden mit der stillschweigenden Annahme, dass Staaten besser miteinander auskommen und ihre Differenzen eher durch Dialog als durch Krieg beilegen würden.

Diese Vorstellung war bereits in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg weit verbreitet. Es wurden Bücher verfasst, die nahelegten, Krieg sei unmöglich; das maßgebliche Werk zu diesem Konzept – ursprünglich 1910 unter dem Titel *The Great Illusion* (Die große Täuschung) erschienen – entwickelte sich zu einem internationalen Bestseller.

Der Autor Norman Angell argumentierte, dass die wirtschaftlichen Kosten eines Krieges die potenziellen Gewinne bei weitem übersteigen würden, da die Nationen stark von einem eng verflochtenen Welthandelssystem abhängig seien. Er vertrat die Ansicht, dass eine siegreiche Nation wirtschaftlich ebenso stark ruiniert würde wie die besiegte – womit das traditionelle Konzept der militärischen Eroberung hinfällig geworden sei. In der öffentlichen Wahrnehmung wurde seine Argumentation so ausgelegt, als mache sie Krieg „unmöglich“.

Seine Argumentation erwies sich als Trugschluss; der „Große Krieg“ brach tatsächlich aus.

Auch heute hält sich die Vorstellung eines multipolaren Zusammenspiels hartnäckig, doch die Kriegsgefahr bleibt bestehen – verschärft durch die Weigerung des Westens, wahrzunehmen oder zu verstehen, was zivilisatorisch souveräne Staaten tatsächlich äußern. Diese Unfähigkeit, mit empathischer Offenheit zuzuhören, liegt den katastrophalen Fehleinschätzungen westlicher Geheimdienste in Bezug auf den Iran und Russland zugrunde. Ebenso verhält es sich mit der Stigmatisierung Chinas als derart „fremd“, dass es für westliche Ohren zu einem Buch mit sieben Siegeln wird.

In seinem einflussreichen Werk *After Virtue* (1981) argumentierte Alasdair MacIntyre, dass das Projekt der Aufklärung den westlichen Menschen zwar von seinen traditionellen Wurzeln abgeschnitten, es jedoch versäumt habe, eine allein auf Vernunft basierende, verbindliche Moral zu schaffen. Infolgedessen leben viele Menschen im Westen in einer Welt des „moralischen Chaos und der Zersplitterung“, in der „chaotische, desintegrierende Kräfte die echte moralische Auseinandersetzung in der europäischen Kultur beinahe ausgelöscht haben“.

Es ist wichtig zu verstehen, dass dieses von MacIntyre beschriebene „moralische Chaos und die Zersplitterung“ gezielt gefördert werden, um Bindungen an Nation, Gemeinschaft und Religion zu schwächen – und zwar gerade mit dem Ziel, den nationalen Zusammenhalt und die zivilisatorische Souveränität gezielt anzugreifen und zu untergraben. MacIntyres Argument besagt, dass es allein die kulturelle Tradition – samt ihren moralischen Erzählungen – ist, die Begriffen wie „Gut“, „Gerechtigkeit“ und „Telos“ einen Kontext verleiht:

„Ohne Traditionen gerät die moralische Debatte aus den Fugen und wird zu einem Theater der Illusionen, in dem bloße Empörung und reiner Protest im Mittelpunkt stehen.“

„Die Fronten werden früh abgesteckt, und die Beteiligten eilen herbei, um Partei zu ergreifen. Doch indem sie Partei ergreifen, scheinen sie unfähig zu werden, den Anderen zu hören … Jeder spürt die Hitze, doch niemand sieht das Licht“, betont MacIntyre.

Was wir heute besitzen, so legt MacIntyre nahe, sind nichts weiter als Fragmente einer älteren Tradition (der Heldenzeit). Diese Fragmente sind schlichtweg zu dürftig, da unserem moralischen Diskurs – der Begriffe wie „Gut“, „Gerechtigkeit“ und „Pflicht“ verwendet – jener Kontext geraubt wurde, der ihn verständlich machen würde. Mit anderen Worten: Er rückt die Tugend der heroischen, homerischen Welt außer Reichweite des Westens.

Fronten werden gezogen. Man eilt herbei, um Partei zu ergreifen. Die „chaotischen“, zersetzenden Kräfte der Gegenwart haben die moralische Auseinandersetzung in der europäischen Kultur beinahe ausgelöscht. Ein besonders auffälliges Merkmal moralischer Debatten ist ihre Tendenz, niemals zu einer Lösung zu gelangen.

Wenn alle moralischen Urteile – ihres Kontextes beraubt – zu kaum mehr als Ausdrucksformen von Vorlieben, Haltungen oder Gefühlen werden – also zu Emotivismus –, dann gerät die Debatte aus den Fugen; sie verwandelt sich in ein Theater der Narrative, in dem Empörung und Polarisierung die Hauptrolle spielen.

Doch indem sie solch emotional aufgeladene parteiische Standpunkte einnehmen, machen sich die Akteure unfähig, den Anderen zu hören. „Andere“ – seien es Russland, der Iran oder China – werden nach den Maßstäben dieses Ansatzes schlicht unsichtbar, da sich ihre Art, die menschliche Aufmerksamkeit auf die Welt zu richten, grundlegend unterscheidet.

So können wir (und werden wir) durch narrative Botschaften in den Krieg geführt, die gezielt darauf ausgelegt sind, Menschen dazu zu bewegen, die Welt auf eine bestimmte Weise räumlich zu strukturieren – ohne dass wir uns dessen bewusst sind. Wir werden in eine von der Aufklärung geprägte „Eine Welt“ geführt, in der alles „Andere“ – ob russisch, iranisch oder chinesisch – unsichtbar wird angesichts der Normen und der Art der Präsenz, mit denen wir uns den „Dingen“ nähern.

In diesem „Krieg“ wird die Welt „auf den Kopf gestellt“. Die meisten Menschen erfassen die Welt um sich herum nicht aktiv in ihrer räumlichen Dimension, sondern scheinen sich damit abgefunden zu haben, dass dies für sie geschieht. Narrative werden vor unseren Augen geknetet und ausgerollt. So funktioniert die Maschinerie. Die meisten Menschen im Westen glauben, die Realität fest im Griff zu haben – mit Fakten, Beweisen und Schlussfolgerungen. Doch tatsächlich sehen wir uns einer Struktur gegenüber, die dieses vermeintliche Verständnis der Realität gezielt ins Gegenteil verkehrt.

Innerhalb dieser Maschinerie läuft die „Räumlichmachung“ verkehrt herum ab: Zuerst werden die Botschaften empfangen, dann knetet und rollt man ein Narrativ der „Realität“ wie Teig aus, bis es in das gewünschte Muster passt. Und bei Bedarf schaltet man die Medienmaschinerie in den Rückwärtsgang und knetet dieselbe Realität in die entgegengesetzte Richtung.

Wie also können souveräne Zivilisationen der „MacIntyre-Falle“ entkommen? Können Zivilisationen die Fragmente älterer Einsichten und Wissensbestände zusammenfügen, um jenen Kontext zu schaffen, der moralische Diskurse wieder verständlich macht?

Sich aus dem beengten Raum mechanistischen Denkens und manipulierter Narrative zu befreien, ist weder leicht noch einfach. Ganz im Gegenteil. Doch man beachte, was dazu nötig ist: eine Veränderung unserer Art des Daseins – die Weise, wie wir unsere Aufmerksamkeit auf die Welt richten.

Wie wir unser Bewusstsein auf die Welt ausrichten – so lehrt uns der Neurologe Iain McGilchrist –, ist von entscheidender Bedeutung: Denn die Art und Weise, wie wir dies tun, verändert und bestimmt, was wir vorfinden und verstehen werden. Und wenn wir die Welt um uns herum auf neue Weise räumlich erfassen, weitet sich die Wahrnehmung, und die (bis dahin verborgene) Weite dessen, was jenseits liegt, tritt in unser Blickfeld.

Die Wiederentdeckung älterer Denkweisen – jenes Denkens, das alles „zugleich und gemeinsam“ erfasst (das Denken in Bildern), sowie anderer Erkenntnisquellen – kann einen Weg zur Vermittlung zwischen den scheinbar gegensätzlichen Polen des Subjektiven und Objektiven ebnen; Gegensätze, die die mechanistische Rationalität allzu oft zu unauflöslichen Hindernissen verhärtet. Auch der apophatische Ansatz vermag die scharfen Kanten begrifflichen Denkens zu mildern, indem er ein „Dazwischen“ einführt, das seinen Raum inmitten scharfkantiger Argumentationen findet. Diese Denkweisen besitzen eine eigene Logik, die sich von der Starrheit aufklärerischen Denkens abhebt.

Dies ist die Lektion, die der Iran – durch die Wiederentdeckung antiken Denkens – der heutigen Welt erteilt. Albert Einstein bemerkte einmal: „Der rationale Verstand ist ein Diener, doch der intuitive Geist ist ein kostbares Geschenk. Unsere Welt jedoch ehrt den Diener – vergisst [ignoriert] aber das Geschenk.“

 
     
  erschienen am 22. September 2026 auf > Ron Paul Institute for Peace and Prosperity > Artikel  
  Original auf > Strategic Culture Foundation > Artikel (diese Website ist von der EU zensiert)  
  Archiv > Artikel von Alastair Crooke auf antikrieg.com  
     
   
     
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Das ist die Politik der Europäischen Union, die offenbar von bestimmten Interessengruppen gelenkt wird und sich aufführt wie die Vereinigte Kolonialverwaltung der europäischen Ex-Kolonialmächte. Warum unsere politischen Vertreter nicht gegen diese kranke und abwegige, für keinen vernünftigen Menschen nachvollziehbare Politik auftreten, fragen Sie diese am besten selbst!

 
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