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| Panikfieber William Schryver
Während sich das Jahr 2026 dem Ende zuneigt, erfasst ganz Europa ein Panikfieber angesichts der schleichenden Erkenntnis, dass die Amerikaner sie im Kampf gegen die Russen und, was noch schlimmer ist, gegeneinander sich selbst überlassen wollen. Was den Kampf gegen die Russen betrifft, so sieht die Realität schlichtweg so aus: Selbst wenn die wenigen entschlossenen europäischen Nationen morgen ernsthaft damit begännen, die nötigen Streitkräfte und Ausrüstungen für einen hochintensiven Krieg des 21. Jahrhunderts zusammenzustellen, könnten sie binnen fünf Jahren keine Armee von auch nur 100.000 kampffähigen Soldaten aufstellen, ausrüsten und in den Einsatz bringen eine Zahl, die in einem Krieg, auf den sie hinsichtlich Erfahrung, Ausbildung, Taktik, Bewaffnung und Logistik völlig unzureichend vorbereitet sind, regelrecht verschlungen würde. Und selbst wenn es ihnen gelänge, einen bunt zusammengewürfelten multinationalen Haufen von 100.000 Mann zu mobilisieren, wären sie nicht in der Lage, eine solche Armee so zu positionieren und zu versorgen, dass sie irgendetwas ausrichten könnte. Von Kaliningrad und Belarus aus können die Russen jedes Ziel in der Ukraine, weite Teile Polens und Rumäniens sowie sogar Ziele tief im deutschen Staatsgebiet angreifen. Einer europäischen Armee würde es nicht gestattet sein, sich in der Nähe russischer Streitkräfte zu formieren. Sie würde bei einem solchen Versuch vernichtend geschlagen werden. Was die europäische Luftstreitmacht angeht: Sie ist eine reine Illusion. Die vermeintlich mächtige US Air Force hat ihr Möglichstes getan und einige tausend Langstrecken-Marschflugkörper auf den Iran abgefeuert mit vernachlässigbarer strategischer Wirkung. Der Iran wurde nicht nennenswert entwaffnet. Tatsächlich scheint das Land heute stärker zu sein als zu Beginn dieses Krieges. Weder die Europäer allein noch die Europäer und Amerikaner gemeinsam könnten irgendetwas Wirksames gegen Russland ausrichten; bei einem entsprechenden Versuch würden sie massenhaft Flugzeuge verlieren. Darüber hinaus verfügen die USA über keine nennenswerte Fähigkeit zu Mittelstreckenangriffen, die mit den von Russland und dem Iran demonstrierten Kapazitäten vergleichbar wäre. Und sie werden auch auf absehbare Zeit nicht darüber verfügen. Die US-Luftverteidigung hat sich als qualitativ blamabel erwiesen und ist selbst wenn sie effektiv wäre quantitativ nicht einmal annähernd ausreichend. Ein Krieg auf diesem Niveau verschlingt gewaltige Mengen an Rüstungsgütern. Und wer aufmerksam ist, hat gelernt, dass entgegen den Erwartungen der überwiegenden Mehrheit der Menschen das US-Arsenal an handgefertigten Boutique-Waffen, die sich nicht in großen Stückzahlen produzieren lassen, in seinen verschiedenen Einsatzbereichen nicht nur schlecht abgeschnitten hat; zudem hat die Kombination der Kriege in der Ukraine und im Iran die US-Bestände auf ein Niveau nahe der Krise schrumpfen lassen. Darüber hinaus wurde die US Navy von den Jemeniten aus dem Roten Meer vertrieben. Man muss sich das einmal vor Augen führen. Sie wurden buchstäblich unter Beschuss und mit leeren Magazinen in die Flucht geschlagen. Gleich zwei Flugzeugträgerverbände nacheinander. Unglaublich. Dies ist zweifellos eine der schockierendsten Entwicklungen der letzten Kriegsjahre auf diesem Planeten. Die US Navy war nach eigenem Bekunden traumatisiert von diesem Erlebnis; mehrere Offiziere bezeichneten es als das heftigste Seegefecht der USA seit dem Zweiten Weltkrieg. Gegen die Jemeniten. Noch einmal: Man muss sich das einmal vor Augen führen. Denn kurz darauf entschied irgendjemand irgendwo: Nun, diese Huthi-Typen sind ein harter Brocken. Versuchen wir es stattdessen mit den Iranern. Die können doch eh nur Teppiche knüpfen. Und genau in diesem Moment kauern zwei Flugzeugträgerverbände irgendwo in den ruhigen, tiefen Gewässern des Arabischen Meeres, mindestens 1000 km von der iranischen Küste entfernt. Näher dran lauern Monster. Von dieser Position aus können und werden sie nichts Entscheidendes ausrichten. Sie halten sich lediglich versteckt und warten ab, bis sie abgelöst werden. Dass ein Kriegsschiff der US Navy von den seit Langem verteufelten und verspotteten Iranern zusammengeschossen wird, wäre ein absolut inakzeptables Ergebnis für diesen Krieg. Das muss unter allen Umständen vermieden werden. Denn aus einer Vielzahl komplexer Gründe, die in der eigenwilligen amerikanischen Psyche verwurzelt sind, gilt die US Navy als unangefochtener Herrscher der Meere. Ein US-Kriegsschiff an eine Nation zu verlieren, die man von vornherein als minderwertig betrachtet, würde als unerträgliche Demütigung empfunden werden. Da versteckt man sich lieber erst einmal und konstruiert im Nachhinein eine Siegesgeschichte. Aufmerksamen Beobachtern dürfte längst klar sein, dass die weltweite Einsatzbereitschaft der USA, derzeit irgendwo einen großen Krieg zu führen, bereits untergraben ist und sich auch mittelfristig nicht wiederherstellen lässt wahrscheinlich nicht einmal innerhalb eines Jahrzehnts. Sie haben ihr ganzes Pulver verschossen. USA, NATO und Israel haben es geschafft, die Ergebnisse von fünf Jahrzehnten Waffenentwicklung und -produktion zu verpulvern und das alles war umsonst. Das Kriegsmaterial aus dem 20. Jahrhundert, über das sie noch verfügen, ist schlichtweg nicht für die Realitäten der Kriegsführung im 21. Jahrhundert geeignet. Zudem fehlt es ihnen an allem, um auch nur annähernd einen ernsthaften Krieg führen zu können. Wie ich unermüdlich wiederhole: Es gibt keine leichten Kriege mehr. Tja, ich schätze, den Europäern dürfte jetzt gehörig der Angstschweiß auf der Stirn stehen. Das Imperium zieht sich rapide zurück und wird schon bald unwiderruflich die Fähigkeit einbüßen, Regeln, Grenzen und Gehorsam gegenüber dem Gemeinwohl durchzusetzen. Die Geschichte lehrt, dass Europa in einem solchen Szenario nicht harmonisch zusammenfinden wird. Es dürfte ungemütlich werden. Und genau daher rührt die Panik in Euroland. |
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| erschienen am 29. September 2026 auf > imetatronink > Artikel | ||||||||||||||
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