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"Entweder verhindert die Revolution den Krieg oder der Krieg wird die Revolution bringen" - Mao Tsetung

     
  Riskiert Bibi Ärger, indem er Erdogan wegen Syrien provoziert?

Letzte Woche bezeichnete der israelische Premierminister den türkischen Präsidenten als „Tyrannen“, der „fast täglich zur Zerstörung Israels aufruft“.

Fatih Kocaibis

 

In seiner Rede vor den Vereinten Nationen in der vergangenen Woche wetterte der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu gegen den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan und nannte ihn einen „Tyrannen“.

„Nun will er Syrien übernehmen“, sagte Netanjahu. „Nun, das überrascht nicht, denn er ruft fast täglich zur Zerstörung Israels auf.“

Diese Äußerungen fallen in eine Zeit wachsender Spannungen zwischen Israel und der Türkei. Im August griffen israelische Kampfflugzeuge den Luftwaffenstützpunkt Abu al-Duhur im Nordwesten Syriens an, der etwa 43 Meilen (ca. 70 km) von der türkischen Grenze entfernt liegt. Der Angriff hinterließ Krater auf der Start- und Landebahn und wurde – wie schon frühere Angriffe im Gebiet um T4 und Palmyra in der Provinz Homs – ohne vorherige Benachrichtigung Ankaras durchgeführt.

Als sich die israelischen Flugzeuge der türkischen Grenze näherten, wurden sie von türkischen Radarsystemen erfasst; damit rückte eine direkte militärische Konfrontation infolge der monatelangen politischen und diplomatischen Spannungen zwischen den beiden Ländern ein Stück näher.

Die Regierung Netanjahu stellt diese Angriffe als Präventivmaßnahmen dar, die darauf abzielen, ein stärkeres Vordringen der Türkei in Syrien bereits im Ansatz zu verhindern. Israels Sorge gilt der Türkei, die sich – neben den USA – zu einem der wichtigsten militärischen und politischen Partner der syrischen Regierung in der Zeit nach Assad entwickelt hat.

Doch der Fall Abu al-Duhur deutet auf ein gegenteiliges Risiko hin. Wenn keine unmittelbare militärische Bedrohung vorliegt, könnten Angriffe, die einen potenziellen künftigen türkischen Einsatz verhindern sollen, das Risiko eines künftigen Konflikts eher erhöhen als verringern.

 

Eine unmittelbare Bedrohung?

 

Das Büro des israelischen Premierministers rechtfertigte den Angriff auf Abu al-Duhur mit dem Hinweis auf Geheimdienstinformationen, wonach der Stützpunkt in eine türkische Militäreinrichtung umgewandelt werden sollte. Ankara und Damaskus wiesen diese Behauptung entschieden zurück. Der US-Gesandte Tom Barrack – häufiges Ziel israelischer Kritik – hatte sich am Vorabend des Angriffs in Istanbul mit dem syrischen Außenminister Asaad al-Shaibani zum Essen getroffen und später erklärt, US-Geheimdienste hätten keinerlei Belege für diese Behauptung gefunden. Doch selbst wenn die Behauptung Israels zutrifft, bleibt die Frage offen, ob eine mögliche Stationierung tatsächlich eine „unmittelbare Bedrohung“ darstellte, die ein militärisches Eingreifen erforderte.

Laut dem pensionierten Generalmajor Ates Mehmet Irez, einem ehemaligen Leiter der Operationsabteilung der türkischen Luftwaffe, wäre der gemeldete Besuch türkischer Vertreter auf dem Stützpunkt aus operativer Sicht als Aufklärungs- oder Bewertungsmission einzustufen; er ließe nicht zwangsläufig auf die Absicht schließen, dort Truppen zu stationieren.

Die Umwandlung einer Standortbesichtigung in einen operativen Einsatz würde im kriegszerstörten Syrien Monate in Anspruch nehmen, so Irez. Zwar ließe sich ein Radarsystem physisch innerhalb weniger Tage installieren, doch die Stromversorgung, die Kommunikation, die Kalibrierung, die Einbindung in die Befehlsstruktur sowie die dauerhafte Stationierung von Personal würden weitaus mehr Zeit erfordern.

„Das in der israelischen Begründung skizzierte Szenario – nämlich ein permanentes Radar- und Luftverteidigungsnetzwerk, das Israels Bewegungsfreiheit im syrischen Luftraum einschränken könnte – ist ein Vorhaben, das eher Monate, wenn nicht sogar mehr als ein Jahr in Anspruch nimmt, statt nur Wochen“, erklärte Irez gegenüber RS.

 

Der eigentliche Zeitdruck für Israel habe ganz woanders gelegen.

 

„Sobald türkisches Personal physisch auf einem Luftwaffenstützpunkt präsent ist, birgt jeder spätere Angriff auf diese Einrichtung das Risiko, Truppen eines NATO-Mitglieds zu treffen“, sagte er. „Unter diesem Gesichtspunkt war das Zeitfenster für ein Handeln eher politischer als technischer Natur.“

Auch die Wahl des Ziels stützt diese Einschätzung. Eine Start- und Landebahn gehört zu den Einrichtungen eines Stützpunkts, die sich am schnellsten reparieren lassen. Hätte das Ziel darin bestanden, die Entwicklung dieser Fähigkeit von Grund auf zu verhindern, hätte Israel abwarten können, bis schwerer zu ersetzendes Gerät eintrifft. Laut Irez zielte der Angriff auf die Startbahn und die Lagerbereiche weniger auf die Ausschaltung einer militärischen Fähigkeit ab, als vielmehr darauf, ein Exempel zu statuieren.

Ein Radarsystem wäre selbst dann von Bedeutung, wenn die Türkei niemals einen Schuss abgäbe. Es würde unregistrierte israelische Überflüge in dokumentierte Ereignisse verwandeln – inklusive Zeitangabe, Flughöhe und Flugroute. „Was sich durch ein Radar ändert“, so Irez, „ist nicht bloß die Kontrolle, sondern das Risiko, dass Beweise für die Aktivitäten vorliegen.“

 

Vom Verhalten zur Absicht

 

Als Syrien 2012 ein türkisches Aufklärungsflugzeug des Typs RF-4E abschoss, gab es in Damaskus noch eine Regierung, die – wenn auch unvollkommen – Verantwortung übernahm und mit der man auf diplomatischem Wege umgehen konnte. Irez, seinerzeit Leiter der Operationsabteilung der türkischen Luftwaffe, unterrichtete das Kabinett während jener Krise. Heute, so sagte er, sei der syrische Luftraum durch die israelischen Angriffe seit Dezember 2024 „faktisch herrenlos“. Bis vor Kurzem unterband Israel sogar Nachtflüge an syrischen Flughäfen.

Zu den gefährlichsten Aspekten des Angriffs bei Abu al-Duhur zählt seiner Ansicht nach die Tatsache, dass Israel die Schwelle für eine Krise von tatsächlichem Handeln auf die Absicht verlagert.

„Klassische Abschreckung reagiert auf etwas, das die Gegenseite bereits getan hat. Hier erfolgt die Reaktion auf etwas, das noch gar nicht geschehen ist“, sagte er. „Indem die Krisenschwelle auf die Ebene der Absicht verschoben wird, verändert diese Logik auch die Grundlage der Einsatzregeln. Einsatzregeln knüpfen an beobachtbares Verhalten oder einen Regelverstoß an. Eine auf Absicht basierende Schwelle lässt die beiden Seiten ohne einen gemeinsamen Maßstab zurück.“

Nicht angekündigte israelische Operationen nahe der türkischen Grenze sind nichts Neues. Im Jahr 2007 drangen israelische Kampfjets in den türkischen Luftraum ein und warfen während eines Angriffs auf eine mutmaßliche Atomanlage bei Deir ez-Zor Treibstofftanks auf türkischem Boden ab.

„Die Verstärkung der Vorsichtsmaßnahmen in der Region begann eigentlich schon 2007, trotz der damals guten Beziehungen“, sagte Irez. „Maßnahmen, die in jenen Jahren als vorübergehende Schritte begannen, wurden seither ausgeweitet und dauerhaft etabliert.“

Der jüngste dieser Schritte erfolgte nach den israelischen Angriffen auf den Stützpunkt T4 im vergangenen Jahr, als Ankara und Tel Aviv in Aserbaidschan technische Gespräche zur Konfliktvermeidung führten. Ein Kanal, den eine Seite (Israel) ohne Vorwarnung umgehen kann, ist kaum als wirksamer Mechanismus zu bezeichnen.

 

Vorläufige Zurückhaltung

 

Der Abschuss einer russischen Su-24 durch die Türkei im Jahr 2015 ist zwar der bekannteste Fall, in dem Ankara seine Einsatzregeln an der syrischen Grenze durchsetzte, doch war er nicht der erste.

Nach der Krise um die RF-4E verschärfte Ankara diese Regeln. In der Folge schossen türkische F-16-Jets 2013 eine syrische Mi-17 und 2014 eine MiG-23 ab, nachdem diese in den türkischen Luftraum eingedrungen waren.

Im Fall von Abu al-Duhur entschied sich die Türkei für Zurückhaltung. Die Türkei, so Irez, „verfolgte die Flüge und traf Vorsichtsmaßnahmen, verzichtete jedoch auf ein Eingreifen, obwohl die Flugzeuge dicht an der Grenze entlangflogen.“

Doch Ankaras Kalkül ist nicht rein militärischer Natur. In der Türkei werden die aktuellen Spannungen weitgehend auf Netanjahus Entscheidungen zurückgeführt und nicht auf einen dauerhaften Bruch mit Tel Aviv. Der israelische Wahlkampf, in dessen Rahmen der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan auf Wahlplakaten der Likud-Partei zu sehen war, wird in Ankara und in den türkischen Medien fast so aufmerksam verfolgt wie ein heimischer Wahlkampf. Die Zurückhaltung der Türkei ist auch der Sorge geschuldet, dass eine Reaktion darauf hinauslaufen würde, auf eine Provokation einzugehen und Netanjahu eine Krise zu liefern, die er für seinen Wahlkampf nutzen könnte. Diese Sorge wird auch innerhalb Israels geteilt. Als sich Netanjahu vor einem Kampfflugzeug fotografieren ließ, um vor Angriffen vor der Wahl zu warnen, warf ihm die Opposition vor, Militärstützpunkte als Kulisse für den Wahlkampf zu missbrauchen.

Das bedeutet jedoch nicht, dass die Geduld Ankaras unbegrenzt ist. Wie Irez warnte: „Operationen in Syrien, die allein auf Vermutungen beruhen, schaffen ein Klima, in dem Spannungen leicht in eine direkte militärische Konfrontation umschlagen können.“

Zudem lösen solche Angriffe nicht das Problem, mit dem sich Israel nach eigener Darstellung konfrontiert sieht. Luftschläge mögen den angeblich geplanten künftigen Einsatz zwar verzögern, doch sie können die wachsende Verflechtung zwischen der Türkei und Syrien nicht stoppen. Ankaras Rolle in Syrien geht weit über einen einzelnen Luftwaffenstützpunkt hinaus. Die Türkei unterstützt den Wiederaufbau des syrischen Staates in Bereichen, die von der Armee bis zum Stromnetz reichen.

Syrische Einheiten trainieren in Einrichtungen der türkischen Armee, syrische Kadetten studieren an türkischen Militärakademien, und syrische Truppen nahmen in diesem Jahr erstmals an „EFES“ teil, dem wichtigsten türkischen Militärmanöver. Ankara hat gepanzerte Fahrzeuge geliefert und bildet die syrische Polizei aus; zudem arbeitet der türkische Geheimdienst eng mit Damaskus zusammen. Nur zwölf Tage nach dem Angriff auf Abu al-Duhur – und trotz israelischer Warnungen vor einem türkischen Vorstoß nach Süden – stellten türkische und syrische Streitkräfte bei Deir ez-Zor ihre zweite gemeinsame Schwimmbrücke über den Euphrat fertig.

Es ist unwahrscheinlich, dass die Rivalität zwischen der Türkei und Israel in naher Zukunft endet. Es ist jedoch möglich, zu verhindern, dass sie in Syrien in einen bewaffneten Konflikt umschlägt. Da Washington beschlossen hat, der neuen Regierung in Damaskus eine Chance zu geben, trägt es nun die fortwährende Verantwortung, zur Stabilisierung Syriens beizutragen und zwei enge Verbündete aus einem vermeidbaren Konflikt herauszuhalten.

Die USA haben bereits erklärt, dass sie an einem trilateralen Mechanismus zur Vermeidung von Zusammenstößen (Deconfliction) arbeiten. Nun gilt es, daraus einen direkten politischen Kanal mit klaren Benachrichtigungsregeln zu machen, damit künftige Zwischenfälle bewältigt werden können, bevor sie eine militärische Konfrontation auslösen.

 
     
  erschienen am 1. Oktober 2026 auf > RESPONSIBLE STATECRAFT > Artikel  
  Fatih Kocaibis ist ein in der Türkei ansässiger Journalist und politischer Analyst, der sich mit der US-Außenpolitik, den transatlantischen Beziehungen und der europäischen Sicherheit sowie deren Auswirkungen auf die türkische Außenpolitik befasst.  
     
   
     
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