|
||||||||||||||
| Informelle
Regeln für Amerikaner im US-Imperium Jacob G. Hornberger
Es gibt informelle Regeln für amerikanische Staatsbürger, die im US-Imperium leben. Wohlgemerkt: Die meisten davon sind nicht gesetzlich verankert. Sie stehen in keinem offiziell herausgegebenen Handbuch für Bürger. Dennoch wird von amerikanischen Staatsbürgern erwartet, dass sie diese informellen Regeln kennen und befolgen. Verstöße können strafrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen oder, was häufiger vorkommt: soziale Ausgrenzung, den Vorwurf der Illoyalität und des Amerika-Hasses sowie Anschuldigungen, mit Terroristen zu sympathisieren oder gar selbst Terrorist zu sein. Unter bestimmten Umständen können Verstöße gegen diese informellen Regeln auch zu strafrechtlichen Sanktionen führen. Eine dieser informellen Regeln besagt: Wenn das Imperium einen militärischen Angriff auf ein kleines, militärisch schwaches und wirtschaftlich verarmtes Land startet, wird von amerikanischen Staatsbürgern erwartet, dass sie dem Imperium zujubeln und die Truppen unterstützen selbst wenn das Imperium in diesem Konflikt der Aggressor ist. Wehe dem amerikanischen Staatsbürger, der Mitgefühl oder Empathie für das Opfer zeigt, das vom Imperium ins Visier genommen wurde! Ein solches Verhalten gilt als eindeutiger Beweis dafür, dass der Betreffende Amerika hasst und Terroristen liebt. Warum Terroristen? Weil US-Amtsträger und ihre Unterstützer den Widerstand eines Landes, das von einer US-Invasion oder -Besatzung betroffen ist, oft als Terrorismus darstellen selbst dann, wenn sich die Angriffe gegen militärische Ziele und nicht gegen Zivilisten richten. Folglich gilt ein amerikanischer Staatsbürger, der Sympathie oder Mitgefühl für eine Nation äußert, die vom Imperium mit Vernichtung und Zerstörung bedroht wird, als jemand, der Amerika hasst und Terroristen liebt. Eine weitere informelle Regel besagt: Wenn das Imperium eine mehrheitlich muslimische Nation ins Visier nimmt, wird von Amerikanern erwartet, dass sie nicht nur das betroffene Land verurteilen, sondern auch gegenüber Muslimen im Allgemeinen Misstrauen, Angst oder Feindseligkeit hegen. Dies gilt insbesondere dann, wenn sich die angegriffene Nation gegen die Aggression des Imperiums zur Wehr setzt, anstatt schnell zu kapitulieren und sich dem Willen des Imperiums zu unterwerfen. Die Entscheidung des muslimischen Landes, sich zu verteidigen, wird dann von einigen Unterstützern des Imperiums als Teil eines umfassenderen Religionskrieges dargestellt, den Muslime gegen amerikanische Christen führen. Sobald das Imperium einen Angriffskrieg gegen eine muslimische Nation begonnen hat, wehe dem Amerikaner, der seine Unterstützung für den Islam im Allgemeinen oder für das Recht der Menschen, den muslimischen Glauben auszuüben, zum Ausdruck bringt. Ein solcher Amerikaner gilt als jemand, der sich in jenem Heiligen Krieg den die Muslime angeblich gegen amerikanische Christen führen, während sie sich in Wahrheit lediglich gegen die Aggression des US-Imperiums verteidigen auf die Seite der Muslime stellt. Wer als Amerikaner Unterstützung oder Sympathie für das ins Visier genommene Land bekundet, wird zudem beschuldigt, ein so die Darstellung der Anhänger des Imperiums jahrhundertealtes muslimisches Bestreben zu unterstützen, ein weltweites Kalifat zu errichten, was auch die gewaltsame Einführung der Scharia in ganz Amerika einschließen soll. Eine weitere inoffizielle Regel besagt, dass ein amerikanischer Staatsbürger unter keinen Umständen Menschen in einem Land offen unterstützen darf, das vom Imperium durch eine Invasion, Besatzung, Sanktionen oder ein Embargo ins Visier genommen wurde mit dem Ziel, dort Tod, Leid oder Verarmung herbeizuführen. Zu den schlimmsten Dingen, die Amerikaner tun können, gehört es, in ein solches Land zu reisen und dort Lebensmittel, Medikamente oder andere lebensnotwendige Güter an Menschen zu verteilen, die durch das Handeln des Imperiums vom Tod, von Verletzungen, Verstümmelungen oder Verarmung bedroht sind. Von der amerikanischen Bevölkerung wird eine hundertprozentige Unterstützung für das Imperium und dessen Bestreben, die Menschen im feindlichen Land zu töten und zu verarmen, erwartet. Genau deshalb belegte das Imperium beispielsweise den amerikanischen Staatsbürger Bert Sacks mit einer Geldstrafe in Höhe von 10.000 Dollar nur weil er die Dreistigkeit besaß, in den Irak zu reisen und dort ohne offizielle Genehmigung des Imperiums Geld für Nahrung, Unterkunft und Transport auszugeben. Sacks war in den Irak gereist, um Medikamente und andere humanitäre Hilfsgüter an die irakische Bevölkerung zu liefern, die unter den tödlichen und zerstörerischen Folgen der US-Wirtschaftssanktionen litt. US-Behörden gingen mit aller Härte gegen Sacks vor in einem verzweifelten, wenn auch letztlich erfolglosen, jahrelangen Versuch, die verhängte Geldstrafe einzutreiben. Mit anderen Worten: Von Amerikanern wird erwartet, dass sie die Sanktionen einfach gewähren lassen damit diese genau das tun, wofür sie gedacht sind: die Bevölkerung des feindlichen Landes, das vom Imperium für seinen Angriffskrieg auserkoren wurde, zu töten und in den Ruin zu treiben. Ein weiteres Beispiel betrifft das kubanische Volk. Auch heute noch belegt das Imperium die Kubaner mit Wirtschaftssanktionen, einem Embargo und einer Ölblockade Teil seines langjährigen Bestrebens, einen Regimewechsel auf Kuba herbeizuführen. Das Ziel ist es, möglichst viele kubanische Bürger zu töten, zu verletzen oder in den Ruin zu treiben, bis ihre Regierung kapituliert und sich den Befehlen des Imperiums unterwirft. Wehe dem Amerikaner, der ohne offizielle Genehmigung nach Kuba reist und dort Geld ausgibt insbesondere, wenn er dies in der Absicht tut, Lebensmittel, Medikamente, Öl, Ausrüstung oder andere lebensnotwendige Güter zu liefern, was einen Verstoß gegen die Sanktionen, das Embargo und die Blockade des Imperiums darstellt. Solchen Amerikanern drohen hohe zivilrechtliche Strafen oder sogar eine strafrechtliche Verfolgung und Inhaftierung. Eine weitere informelle Regel betrifft die Kirchen in Amerika. Von ihnen wird erwartet, dass sie für die US-Streitkräfte beten selbst dann, wenn diese in einem Konflikt als Aggressoren auftreten. Wie oft hört man in amerikanischen Kirchen Gebete für jene unschuldigen Menschen, die durch militärische Interventionen der USA getötet, verstümmelt oder in Armut gestürzt werden? So gut wie nie. Schließlich würden solche Gebete nicht nur das Imperium verärgern, sondern auch jene Anhänger des Imperiums, die für die Kirche spenden. Die vielleicht wichtigste informelle Regel für das Leben unter der Herrschaft des Imperiums besteht darin, dass von amerikanischen Bürgern ein tiefer, beständiger Glaube an ihre imperialen Herrscher erwartet wird gepaart mit unerschütterlicher Bewunderung, Respekt und Liebe. Dies gilt insbesondere für die Akteure im Pentagon, im gewaltigen militärisch-industriellen Komplex, in der stetig wachsenden Schar gieriger Profiteure aus der Verteidigungsindustrie sowie bei der CIA und der NSA. Man darf niemals die Entscheidung des Imperiums infrage stellen oder anfechten, eine feindliche Nation mit einem militärischen Angriff, einer Besatzung, Sanktionen, einem Embargo oder einer Blockade zu belegen. Wer vom Imperium als Feind abgestempelt wird, gilt automatisch auch als Feind Amerikas. Das Imperium ist alles. Es ist unser Gott, unser Gewissen und unsere Moral. Gott und das Imperium segnen Amerika. Preiset Gott und preiset das Imperium. |
||||||||||||||
| erschienen am 23. Oktober 2026 auf > THE FUTURE of FREEDOM FOUNDATION > Artikel | ||||||||||||||
| Archiv > Artikel von Jacob Hornberger auf antikrieg.com | ||||||||||||||
|
||||||||||||||
| Im ARCHIV finden Sie immer interessante Artikel! | ||||||||||||||
| Die Weiterverbreitung der Texte auf dieser Website ist durchaus erwünscht. In diesem Fall bitte die Angabe der Webadresse www.antikrieg.com nicht zu vergessen! | ||||||||||||||
| <<< Inhalt | ||||||||||||||